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MEIN BÜRGERINSTITUT

Ein Haus und seine vielen Gesichter

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Michael Beckmann

Michael Beckmann

Leiter Freiwilligenagentur

Telefon:
(069) 972017-31

E-Mail:
beckmann@buergerinstitut.de

Bärbel Klingenberg

Übungsleiterin im Demenzbereich

Was musikalische Zeitreisen alles bewirken können

 

Ich bin Übungsleiterin für den Demenzbereich im Bürgerinstitut. Mit der „Bewegungsgruppe“ möchten wir Demenzbetroffene sportlich aktivieren und mit Spaß und Freude, vor allem aber ohne Leistungsdruck für Bewegung motivieren.

Angefangen hat alles im Herbst 2011. Da habe ich begonnen, beim Deutschen Turnerbund Kurse zu belegen und Übungsleiterlizenzen für die Arbeit mit Älteren und Demenzbetroffenen zu erwerben. Damals habe ich eine meiner Ausbilderinnen gefragt, wo ich die erlernte Theorie denn in die Praxis umsetzen könne. Zu diesem Zeitpunkt leitete jene Ausbilderin im Rahmen des Projektes „Aktiv bis 100“ die Bewegungsgruppe für Demenzbetroffene im Bürgerinstitut. Auf meine Frage hin bot sie mir an, zu hospitieren und nach einiger Zeit schlug sie mich als ihre Nachfolgerin vor. Das bin ich nun seit vielen Jahren. Und das sehr gerne.

In dieser Zeit habe ich viel gelernt. Über die Menschen, für die ich die Bewegungsgruppe anbiete. Aber auch über mich. Für sie und für mich ist es gleichermaßen eine Bereicherung. Es ist sozusagen eine ganz klassische Win-win-Situation. Ich freue mich, wenn andere sich freuen. Und die Freude steht meinen Teilnehmerinnen und Teilnehmern eigentlich jedes Mal ins Gesicht geschrieben.

Meine Motivation mich zu engagieren hatte aber auch noch einen anderen Grund. Ich bin der Auffassung, dass jeder der der Gesellschaft etwas geben kann, dies auch tun sollte. Denn eine ehrenamtliche Tätigkeit ist für die Gesellschaft monetär, aber auch mental entlastend.

Sehr gerne erinnere ich mich an eine besondere Begebenheit, die man im „normalen“ Leben so eigentlich nie erlebt. In meinen Kursen habe ich musikalische Zeitreisen durchgeführt. Die Teilnehmer wurden dadurch teilweise um „Jahrzehnte zurückversetzt“ und waren inspiriert, sich beispielsweise in unserer gedachten Disco auszutoben. In einer dieser Kursstunden spielte ich das Lied „Mein Vater war ein Wandersmann“. Wir hatten einen Kursteilnehmer, der sehr schlecht laufen konnte und bevorzugt Übungen im Sitzen ausübte. Als das alte Volkslied gespielt wurde, sprang der Teilnehmer auf und „wanderte“ energisch durch den Raum, danach setzte er sich wieder. Es war unfassbar. Daraufhin wurde das Lied natürlich regelmäßig gespielt.

Diese musikalischen Zeitreisen haben aber nicht nur die Teilnehmer inspiriert, sondern auch mich. Wir haben gegenseitig unsere Erinnerungen ausgetauscht. Das war meistens sehr belebend. Immer mit Respekt. Und immer mit Wertschätzung. Das ist einfach ein gutes Gefühl.

Das Bürgerinstitut als soziale Einrichtung, die auch für Menschen mit Demenz da ist, habe ich von Anfang an als kompetenten, respektvollen, schutzbietenden Raum wahrgenommen. Ich bin froh, ein verlässliches Mosaik im Gesamtkonzept sein zu können.

Willy Egli

Hospizbegleiter

Ein menschlicher Gewinn am Ende eines Lebens

 

Ich bin ehrenamtlicher Hospizbegleiter und darf Menschen an ihrem Lebensende begleiten. Nach einer intensiven Vorbereitung im Bürgerinstitut, habe ich mit diesem Engagement vor nunmehr rund vier Jahren begonnen. Dabei ist jede meiner Begleitungen anders. Zusammen mit den regelmäßigen Treffen mit meinen Kolleginnen und Kollegen und der Supervision im Bürgerinstitut ist das eine wirklich große Bereicherung für mich.

Die Hospizbegleitung ist aber nicht mein einziges Engagement. Den Wunsch, mich zu engagieren, hatte ich schon viel früher. Ein Jahr vor meiner Pensionierung habe ich mich in der Freiwilligenagentur im Bürgerinstitut beraten lassen, was es für Möglichkeiten gibt und an wen ich mich wenden könnte. Frau Büttner und ich waren uns schnell einig, dass ein Engagement an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt ein guter Ehrenamtseinstieg für mich wäre. Das ist jetzt 15 Jahre her. Seitdem übernehme ich dort mit anderen Lufthanseaten das Catering. Leider müssen wir Corona-bedingt derzeit pausieren.

Sowohl an der Hochschule wie auch als Hospizbegleiter liegt mir Professionalität und – wahrscheinlich berufsbedingt – auch der „Servicegedanke“ sehr am Herzen. Ich selbst würde mich als Menschenfreund bezeichnen, für den eine natürliche Neugier oder vielmehr das Interesse für Neues selbstverständlich ist. Mit Offenheit, einem ehrlichen Umgang und „klaren“ Worten bin ich immer gut gefahren und habe auch recht schnell eine Beziehung zu den Menschen aufbauen können.

Erinnerungen…? Nach einigen Jahren hinterm Catering Tresen der Hochschule hörte ich im wunderschönen Sonnemann-Saal bei einem Empfang einen wichtigen Ehrengast bei meinem Anblick sagen „Ah, die Musikhochschule ist auch schon da!“ Lustig und nett fand ich das.

Den freundlich lieben Herrn V. lernte ich fünf Monate vor seinem Tod kennen. Schon beim zweiten Treffen nannte er mich seinen besten Freund. „Etwas spät“ dachte ich, doch eine kleine Freundschaft haben wir „leben“ können.

Im Laufe der Zeit habe ich ganz unterschiedliche Menschen und deren Lebensgeschichte kennengelernt. Ich habe sie aber nicht nur kennengelernt, ich habe durch die oft intensive Beziehung zu den Menschen neben den direkten Rückmeldungen von Ihnen selbst, ihren Angehörigen oder ihrem Freundeskreis auch vieles an Anregung mitgenommen.

Ich kann jedem nur raten, „Ehrenamtsluft“ zu schnuppern. Das tut allen gut. Und ich wünsche mir sehr, dass viele Menschen diese Facette des gesellschaftlichen Zusammenlebens kennenlernen. Wenn ich mit meinem Tun ein kleines bisschen dazu beitragen kann, würde mich das sehr freuen.

Möglichkeiten sich zu engagieren, gibt es genügend – im Bürgerinstitut selbst und bei den vielen sozialen Einrichtungen und gemeinnützigen Organisationen. Lassen Sie sich beraten. Es findet sich immer etwas.

Jürgen Naeve

Kulturbegleiter

Mit Freude andere erfreuen

 

Gleich nach meinem Eintritt in den Ruhestand habe ich mich mit ganzem Einsatz der Kultur und dem ehrenamtlichen Engagement zugewandt. Im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst stellte ich als Ideenbotschafter Besuchern das Museum vor und vermittelte ihnen die Ideen hinter den Ausstellungen. Schon zu Zeiten meiner aktiven Berufstätigkeit in der Touristikbranche hatte ich eine ausgeprägte Affinität zum kulturellen Leben, besonders zur Musik, die ich in mein Ehrenamt einbringen wollte.

Durch eine alten Bekannte, die mir begeistert von ihrer Tätigkeit als Kulturbegleiterin erzählte, wurde ich auf das Frankfurter Bürgerinstitut aufmerksam. Mich für meine Mitmenschen einzusetzen hat mir schon immer viel bedeutet und soziales Engagement war ein wichtiger Teil meines Lebens. Deshalb sprach mich dieser Tipp sofort an.

Kurz darauf stattete ich dem Bürgerinstitut an der Oberlindau einen Besuch ab und war auf der Stelle begeistert von der positiven Atmosphäre dieses besonderen Ortes. Für die älteren Menschen, die ich dort antraf, war das Bürgerinstitut eine Oase des Wohlfühlens und auch die positive Stimmung der Mitarbeiter und Ehrenamtlichen verfehlte ihre Wirkung auf mich nicht: Ich wollte gerne ein Teil davon sein und so wurde ich an diesem Tag Kulturbegleiter. Das bedeutet, ich begleite Menschen, die sich alleine nicht mehr trauen, oder die sich körperlich nicht dazu in der Lage fühlen, zu kulturellen Veranstaltungen wie Opernaufführungen, Konzerte, oder Theatervorstellungen. Ich hole sie zu Hause ab, genieße mit ihnen die Veranstaltung und bringe sie wieder nach Hause.

Wenn ich merke, dass meine Begleitung einen schönen Abend hatte und ich sie lächelnd wieder zuhause abliefere, macht es mir ebenso viel Freude. Neben meiner Begleitung und mir profitieren natürlich auch das Bürgerinstitut und die Gesellschaft als Ganzes von diesem Ehrenamt. Das Bürgerinstitut gewinnt weiter an Ansehen und die Gesellschaft gewinnt, weil eingeschränkten Senioren dadurch wunderbare Erlebnisse vermittelt werden, die ohne diesen Einsatz gar nicht möglich wären.

Durch die wunderbaren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bürgerinstitut habe ich so viele interessante Menschen kennengelernt, dass mir diese Institution über die Jahre sehr ans Herz gewachsen ist und ich mich wie in einer Familie aufgehoben fühle.

Viele Begegnungen haben Spuren hinterlassen und einige meiner Begleiter und Begleiterinnen sind leider mittlerweile verstorben. Viele Verbindungen bestehen aber über lange Zeit. Es gibt beispielsweise eine Dame, zu der ich noch regen Kontakt pflege, obwohl sie schon vor Jahren in ein Heim nach Marburg umgezogen ist. Unsere erste Begegnung war ein Besuch im Botanischen Garten und von da an habe ich sie häufig zu den unterschiedlichsten Anlässen begleitet, beispielsweise bei ihrem monatlichen Frisörbesuch. Dabei hat sie gerne aus ihrem Leben erzählt. Sie besitzt ein immenses Fachwissen über die Bemalung von Ostereiern und verfügt über eine unvorstellbare Sammlung an Fachliteratur zu diesem Thema. Vor dem Senckenberg-Museum steht ein Baum, der zu Ehren des fünfundzwanzigjährigen Jubiläums ihres Ehrenamtes dort gepflanzt wurde. Sie liebt die Unterhaltung mit anderen und wir telefonieren und schreiben auch heute noch mindestens einmal im Monat. Bei diesen Gelegenheiten singt sie mir oft am Telefon alte Lieder oder Schlager aus ihrer Kindheit vor.

Ein weiterer Höhepunkt meiner Kulturbegleitungen ist leider schon verstorben. Sie war über viele Jahre Stewardess in der ersten Klasse und wusste die unglaublichsten Geschichten über Prominente aus allen Bereichen zu erzählen, die sie hautnah miterlebt hatte, Geschichten aus einer Zeit, in der Fliegen noch etwas Besonderes war und die Vielfliegerei dem „Jetset“ vorbehalten war.

Wer sich von meiner „Ehrenamtsgeschichte“ angesprochen fühlt oder sich generell für ein Engagement interessiert, sollte einfach mal an der Oberlindau 20 beim Bürgerinstitut vorbeischauen und sich positiv von der Atmosphäre dort beeinflussen lassen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen die unterschiedlichen Tätigkeitsfelder für Freiwillige und finden für jeden das passende Engagement.